Windelvielfalt
Die Menge der Windelhersteller und Windelsysteme ist kaum noch zu überschauen. Im Folgenden werden daher die grundsätzlichen Besonderheiten vorgestellt, um die Entscheidung für das individuell passende Wickelsystem zu erleichtern.
1. Die Saugeinlage
Saugeinlagen gibt es zum falten oder bereits vorgeformt. Das Material ist immer Baumwolle, kann jedoch in verschiedenen Stoffqualitäten sein. So gibt es Frottee-, Mull-, Molton-, Interlook oder Flanelleinlagen. Aus der Materialqualität ergeben sich verschiedenen Dicken und damit eine unterschiedliche Saugkraft.
Es hängt vom gesamten Wickelsystem ab für welche Saugkraft man sich entscheidet. Eine höhere Saugkraft ist natürlich immer praktisch, jedoch sollte das Windelpaket auch nicht zu dick werden, damit sich das Baby noch ausreichend bewegen kann. Für nachts oder bei längeren Autofahrten ist es schön, eine dickere Saugeinlage zur Verfügung zu haben, Bewegungseinschränkungen stören bei diesen Gelegenheiten nicht so sehr. Je dicker die Einlage, desto langsamer trocknet sie nach dem waschen. Falteinlagen trocknen grundsätzlich schneller als fertig geformte Einlagen. Sie haben außerdem den Vorteil, dass sie preiswerter als bereits vorgeformte Einlagen und zudem auch anderweitig verwendbar sind (Größe 40x40 als Pflegetuch, Größe 80x80 als Stoffwindel). Fertige Einlagen haben den Vorzug, dass sie nicht gefaltet werden müssen und sicherer platziert werden können. Verrutschen oder Druckstellen durch nicht sorgfältiges Falten sind ausgeschlossen. Es ist ratsam sich zunächst mit der Auswahl von Windel und der Überhose zu befassen, bevor man sich für eine dazu passende Saugeinlage entscheidet.
2. Die Stoffwindel
Es gibt 5 Arten von Stoffwindeln:
(1) Die klassische Faltwindel
Faltwindeln sind meist am preiswertesten. Sie sind am vielfältigsten einsetzbar und trocknen am schnellsten. Es gibt sie in verschieden Materialien und Qualitäten. Es erfordert allerdings etwas Übung und Geduld bis sie richtig sitzen, so dass wirklich nichts ausläuft. Sie werden entweder durch eine Windelklammer („Snappy“) fixiert oder durch eine passende Überhose gehalten. Es gibt sie in den Materialien Mull, Molton, Flanell, Köper oder Frottee.
(2) Anatomische Windeln
Die auch als „prefold“ oder vorgefalteten Windeln bezeichneten anatomische Windeln passen von Anfang bis Ende der Wickelzeit und sind etwas einfacher zu handhaben als Faltwindeln. Es gibt sie mit und ohne integrierten Saugkern Allerdings sind sie auf ihren Einsatzbereich als Windel beschränkt.Sie werden ebenfalls entweder durch eine Windelklammer („Snappy“) fixiert oder durch eine passende Überhose gehalten. Materialien können zum Beispiel sein Frottee, Hanf oder Baumwolle.
(3) Bindewindeln
Bindewindeln sind ebenfalls anatomisch vorgeformt. Sie gehören ebenfalls zu den eher preisgünstigen Windeln. Mittels zweier Bänder sind sie während der gesamten Wickelzeit gut an das Kind anzupassen. Durch ihre spezielle Strickart trocknen sie schnell und saugen sehr gut. Sie bestehen immer aus gestrickter Baumwolle.
Wenn die Babys größer und aktiver werden kann das Anlegen jedoch mühsam werden, so dass manche Eltern später auf ein anderes System umsteigen.
(4) Mehrgrößen-Höschenwindel
Die Höschenwindel in mehreren Größen ist die komfortabelste, jedoch auch preisintensivste Variante des alternativen Wickelns. Form und Machart sind der Wegwerfwindel nachempfunden. Im Gegensatz zu dieser ist jedoch auch eine Überhose als Nässeschutz wie bei allen anderen Stoffwindeln nötig. Ihre größten Vorteile liegen darin, dass wirklich jeder damit zurecht kommt und auch bei sehr aktiven Babys der Windelwechsel schnell geht. Nachteilig sind längere Trockenzeiten. Als Material werden Flanell, Molton oder Frottee verwendet.
(5) Mitwachsende Höschenwindel
Für die mitwachsenden Höschenwindeln gilt das zu den Mehrgrößen-Höschenwindeln Gesagte. Sie sind etwas preiswerter als Vorgenannte, da sie so konzipiert sind, dass sie dem Neugeborenen wie auch dem 2-Jährigen passen sollen. Die Verstellmöglichkeiten sind jedoch von Hersteller zu Hersteller verschieden gut gelungen, so dass eine sorgfältige Auswahl nötig ist, um nicht doch noch ein zusätzliches System für die ersten oder letzten Wochen der Wickelzeit anschaffen zu müssen. Sie können aus Flanell, Molton oder Frottee gefertigt sein.
Bei der Entscheidung für ein Material bezüglich der Saugeinlagen und Windeln kann zum Einen die Materialstärke als auch einfach den persönlichen Geschmack zur Grundlage nehmen. Grundsätzlich lässt sich sagen, je dicker das Material ist, desto größer ist seine Saugkraft, umso mehr trägt es jedoch auch auf, d.h. das Windelpaket ist dicker als bei der Wahl eines dünnen Materials.
3. Die Überhose
Bei der Überhose ist eine Entscheidung bezüglich des Materials und der Form nötig:
(1) Die Gummihose
Die Gummihose ist die dichteste und billigste der Überhosen. Sie ist jedoch grundsätzlich nicht zu empfehlen. Denn sie ist nicht atmungsaktiv. Damit werden die Vorteile des Stoffwickelns (gesünderes Hautklima, keine Überhitzung) wieder aufgehoben. Hautkrankheiten wie Pilze und Windelsoor haben unter Sauerstoffabschluss beste Bedingungen für ihr Ausbrechen.
(2) Die Mikrofaserhose
(a) in Schlupfform
Die Mikrofaserhose in Schlupfform ist die moderne Alternative zur Gummihose. Im Gegensatz zu dieser ist sie atmungsaktiv und daher gut mit Stoffwindeln zu kombinieren. Sie ist nicht ganz so dicht wie eine Wollhose, dafür jedoch einfach in der Maschine waschbar und sehr schnell trocknend.
(b) in Klettform
Die Mikrofaserhose in Klettform eignet sich besonders wenn man sich für Falt- oder anatomische Windeln entscheiden möchte, da sie durch das Klettsystem gut angepasst werden kann und den guten und stabilen Sitz der Windel zusätzlich unterstützt. Zudem ist man bei sehr aktiven Babys gut mit der Klettform beraten, weil das Anlegen schneller und praktischer ist.
(3) Die Wollhose
(a) in Schlupfform
Wollhosen haben einen höheren Pflegeaufwand als Kunststoffhosen, denn sie können nur per Hand gewaschen und müssen rückgefettet werden. Dieser vermehrte Aufwand wird jedoch durch viele Vorteile aufgewogen. Wollhosen sind sehr dicht und haben eine erstaunliche Selbstreinigungskraft, wobei sie sogar Gerüche regulieren. Sie wirken temperaturausgleichend und sorgen damit für ein angenehmes Windelklima. Die Schlupfform ist bei allen Herstellern nach einem ähnlichen Muster gestrickt. Es gibt einfach und doppelt gestrickte Modelle. Erstere tragen weniger auf und Letztere sind von Natur aus dichter. Man muss beachten, dass gestrickte Wollhosen in Schlupfform bei jedem Waschen etwas einlaufen und weiter verfilzen. Im Zweifel also lieber gleich die größere Größe wählen.
(b) in Klettform
Wollhosen in Klettform werden aus gewalkter Wolle gefertigt. Das hat den Vorteil, dass sie bei richtiger Pflege so gut wie gar nicht mehr einlaufen. Sie sind nur scheinbar teurer als Modelle in Schlupfform. Da der breite Klettverschluss so gut verstellbar ist, dass man im Endeffekt weniger Größen benötigt, hebt sich der Preisunterschied zur Schlupfform wieder auf. Die Klettform ist besonders im späteren Wickelalter von Vorteil, da die Überhose nicht so sehr aufträgt und dadurch mehr Bewegungsfreiheit gewährleistet. Wenn die Kinder trocken werden, kann man sie zudem auch anstelle eines Schlüpfers anziehen. Eine eingelegte Saugeinlage vermeidet ein ständiges Hosenwechseln, wenn es das Kind doch noch nicht schnell genug zur Toilette schafft.