Die üblichen Bedenken:
Orthopäden und Kinderärzte sind sich heute einig, dass tragen nicht rückenschädlich ist. Im Gegenteil: tragen fördert die gesunde Entwicklung von Hüfte und Rücken und wird sogar therapeutisch eingesetzt. In Langzeitstudien konnten keine negativen Auswirkungen auf die Entwicklung des kindlichen Stützapparates getragener Kinder festgestellt werden. Außerdem: Weltweit werden 2/3 aller Kinder getragen. Dieser Umgang würde wohl kaum beibehalten, wenn damit Generationen von rückengeschädigten Kindern herangezogen würden.
Die Besorgnis, ein Kind durch häufiges Tragen zu sehr zu verwöhnen, ist unbegründet. Nähe und Körperkontakt gehören zu den elementaren Grundbedürfnissen eines Säuglings. Tragen erfüllt diese sinnvoll und quasi nebenbei. Vergleichende Studien haben gezeigt, dass Kinder die viel getragen werden, sich schneller von der Mutter lösen und frühzeitiger selbständiges Verhalten zeigen, als Kinder, denen ein tragender Umgang verwehrt war.
Diese Vorstellung ist überholt. Zur optimalen Entwicklung ihrer Sinne benötigen Säuglinge eine Vielzahl von Reizen taktiler, visueller, akustischer und emotionaler Art. Im eigenen Zimmer oder im Kinderwagen auf dem Balkon „abgelegt“ entgehen dem Kind für seine Entwicklung wichtige Stimulationen. Babys wissen dies instinktiv und tun lautstark kund, wenn sie nicht am für sie passenden Ort sind. Es ist kein Zufall, dass Babys eng an Mama oder Papa gekuschelt im größten Trubel am besten und längsten schlafen.
Der Erwachsenenkörper wärmt ein Kind optimal. Die Natur hat hier vorgesorgt. Untersuchungen an Frühgeborenen haben gezeigt, dass der mütterliche Körper wie ein Thermostat funktioniert. Die Körpertemperatur der Mutter erhöht sich, bis die des Kindes optimal ist und senkt sich auf Normaltemperatur, sobald Überhitzung droht. Dies kann kein Kinderwagen leisten. Voraussetzung für das Tragen im europäischen Winter ist allerdings ein dicker Mantel, der in seiner Länge auch über die Füße des Kindes reicht, so dass Kältebrücken nicht entstehen können.
Bei einer Untersuchung an der Kinderklinik der Kölner Universität hat man herausgefunden, dass die Sauerstoffversorgung von Säuglingen im Tragetuch ausreichend sichergestellt ist. Die Sauerstoffsättigung verminderte sich lediglich um max. 1 % , was die Forscher für ein gesundes Kind für vernachlässigbar halten. Für den Fall einer ungünstigen Lage kommt folgender Fakt hinzu: sinkt die Sauerstoffkonzentration im Blut steigt gleichzeitig der Kohlendioxidgehalt an. Ab einem bestimmten Wert führt dies im Gehirn zu einer Aufwachreaktion. Da Babys ihren Kopf von Geburt an drehen können, würden sie ihre Lage instinktiv so verändern, dass die Luftzufuhr nicht mehr behindert ist. Zuletzt sprechen auch die Erfahrungen mit Frühgeborenen für sich. Sind sie am Körper eines Erwachsenen eingehüllt stabilisiert sich ihre Atmung schneller als im Inkubator. Wichtig ist natürlich, darauf zu achten, dass die Atmung nicht durch zu viel Stoff oder eine verstopfte Nase ungewöhnlich behindert ist.
Dieser Einwand ist in unserer Gesellschaft, die an das Tragen von Lasten nicht mehr gewöhnt ist, durchaus berechtigt. Rückenprobleme sind eine „Volkskrankheit“ und können durch das Tragen verstärkt werden. Hier ist im schlimmsten Fall physiotherapeutische Hilfe vonnöten. In der Regel ist jedoch das Tragen in den ersten Wochen kein Problem, da das Gewicht des Kindes deutlich unter den bei der Geburt verlorenen Pfunden liegt und es ein leichtes ist, gegenüber dem Bauch, den die Frau zuvor ständig zu tragen gewohnt war. Bei einem frühzeitigen Tragebeginn ist die Gewichtssteigerung so allmählich, dass die Rückenmuskulatur mitzuwachsen vermag. Viele Probleme lassen sich durch die korrekte Anpassung der Tragehilfe vermeiden. Möglicherweise kann man sich mit Partner, Großeltern oder Geschwistern beim Tragen abwechseln.