Biobaumwolle - was ist das?

 

Naturkleidung aus Baumwolle wird ausschließlich aus Biobaumwolle gefertigt. Das bedeutet zum einen, dass die Baumwolle kontrolliert biologisch angebaut wird und zum anderen, dass ethische und ökologische Ansprüche an Ernte, Verarbeitung und Handel erfüllt sein müssen.

Der Baumwollanbau

Die Baumwolle als Nutzpflanze ist sehr anspruchsvoll. Sie benötigt sehr viel Wasser bei möglichst gleichmäßig hohen Temperaturen. Deshalb kommt sie natürlicherweise in tropischen und subtropischen Regionen vor. Um die Unterschiede von Biobaumwolle zu konventioneller Baumwolle zu erklären, werfen wir einen Blick auf die Probleme des konventionellen Baumwollanbaus. 

(1) Bewässerung
Zu viel Regen kann die weiche Wolle in den Baumwollkapseln zum Schimmeln bringen. Um Ernteausfälle durch Regen zu verhindern, kam man daher auf die Idee Baumwolle in trockenen Gebieten anzubauen und diese künstlich zu bewässern. Dies führt jedoch zu unnatürlichen Trockenheiten in den Gebieten, aus denen das Wasser entnommen wird und entzieht den dort lebenden Menschen und Tieren die Lebensgrundlage. So hat zum Beispiel in der Region zwischen Usbekistan und Kasachstan die künstliche Bewässerung von Baumwollfeldern dazu geführt, dass der Aralsee - einst viertgrößtes Binnengewässer der Erde - so stark geschrumpft ist, dass Mensch und Tier unter fatalen Folgen durch den kompletten Zusammenbruch des noch vor 50 Jahren vollständig intakten Ökosystems leiden.

(2) Pestizide
Um ertragreich und maschinell arbeiten zu können wird konventionelle Baumwolle in Monokultur angebaut. Dies führt dazu, dass sich Baumwollschädlinge in dem idealen feuchten und heißen Klima ohne natürliche Feinde sehr schnell vermehren. Um dennoch eine reiche Ernte zu erhalten werden riesige Mengen an chemischen Pflanzenschutz- und Insektenvernichtungsmitteln auf die Baumwollfelder gespritzt. Keine andere Nutzpflanze der Welt wird mit derartigen Mengen von Insektiziden und Pestiziden behandelt. Die Umweltverschmutzung in den Regionen ist groß. Die Plantagenarbeiter und ihre Familien leiden an direkten Vergiftungserscheinungen. Die umliegende Bevölkerung leidet an den Folgen der Grundwasserverschmutzung. Flora und Fauna werden stark geschädigt.

(3) Gentechnik
Ob mit gentechnisch veränderter Baumwolle jemals ein ehrlicher Versuch unternommen werden sollte, das Problem der Pestizide in den Griff zu bekommen oder ob es von Anfang an ein Instrumentarium für zusätzliche Profite und die Kontrolle über den Baumwollanbau sein sollte, sei dahingestellt. Fakt ist, dass der Handel mit gentechnisch verändertem Saatgut nicht die versprochenen Lösungen (Schädlingsresistenz, bessere Erträge) gebracht hat. Viele Baumwollbauern hat es in den finanziellen Ruin zum Teil sogar in den Selbstmord getrieben. Über die dubiosen Machenschaften von Konzernen wie Monsanto gibt es reichlich Reportagematerial (z.B. Arte TV-Produktion "Monsanto - Mit Gift und Genen").

(4) Ernte
Um effektiv zu arbeiten wird im konventionellen Baumwollanbau häufig maschinell geerntet. Dazu muss vor der Ernte das grüne Kraut der Baumwollpflanze abgetötet werden. Hierfür nutzt man chemische Entlaubungsmittel - ein weiterer Bestandteil des Giftcoctails, der in fertigen Baumwolltextilien enthalten ist. Ganz abgesehen von der Baumwollqualität, die durch den Einsatz von Erntemaschinen erheblich gemindert wird, da auch unreife und verdorbene Fasern ebenso wie Blatt- und Kapselreste mit erfasst werden, die dann im Rohmaterial enthalten sind.

(5) Auswege
Beim biologischen Baumwollanbau wird die Baumwolle auf fruchtbaren Böden in artenreicher Umwelt angebaut. Da hier wenig oder gar nicht bewässert wird gibt es eine kürzere Wachstumsphase. Man geht von vornherein von weniger Erträgen aus. Biologisch angebaute Baumwolle wird in sogenannten Mischkulturen kultiviert, das bedeutet, dass Baumwolle gemeinsam mit anderen Pflanzen wie zum Beispiel Mais, Gemüse oder Obstbäumen angepflanzt wird. Dadurch bleibt das ökologische Gleichgewicht erhalten. Der Lebensraum für die einheimischen Insekten und Kleintiere bleibt erhalten. Dadurch haben Pflanzenschädlinge genügend natürliche Feinde, so dass auf den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden kann. Jährlich werden die bestellten Äcker gewechselt und der Baumwollanbau beispielsweise mit dem Anbau von Hirse oder Reis abgewechselt, so dass die Vermehrung von Baumwollschädlingen unterbrochen wird, das mineralische Bodengleichgewicht erhalten bleibt und damit chemische Düngemittel unnötig werden. Wenn es doch einmal nötig sein sollte wird ausschließlich mit natürlichen Schädlingsbekämpfungsmitteln und organischen Düngern gearbeitet. Geerntet wird per Hand und der Verzicht auf Gentechnik versteht sich von selbst. Der Mehraufwand für den biologischen Anbau wird durch faire Entlohnung und höhere Baumwollpreise ausgeglichen. 

Die Baumwollverarbeitung

Leider geht die traurige Geschichte der konventionellen Baumwollproduktion noch weiter.

(1) Bleichen und Färben
Auch nach der Ernte herrschen in der konventionellen Textilindustrie für uns in Deutschland schwer vorstellbare Zustände. Beim Bleichen und Färben der gesponnenen Baumwolle werden gewöhnlich hochgiftige, bei uns verbotene chemische Substanzen verwendet. Auch dies hat finanzielle Hintergründe. Sie sind preiswert, an den Produktionsstandorten nicht verboten und Gesetze zum Schutz der Arbeiter oder der Umwelt bestehen nicht. Die an den Prozessen beteiligten Arbeiter (nicht selten auch Kinder) werden schlecht bezahlt und die Gefährdung ihrer Gesundheit wird zugunsten maximaler Profite in Kauf genommen.

(2) Nähen und Fertigen
Die fertigen Stoffe werden für die großen Bekleidungshersteller nun noch konfektioniert. Da man auch hier möglichst viel zu einem möglichst geringen Preis anbieten will, wird unter unwürdigen Arbeitsbedingungen produziert. Es gibt riesige Nähereien in denen Frauen bis zu 20 Stunden am Tag, 7 Tage/Woche für einen Hungerlohn arbeiten. In Indien knüpfen Kindersklaven Teppiche, weil ihre Eltern verschuldet sind. Wer mehr über diese Ungerechtigkeiten erfahren will, kann sich unter anderem mit dem Film "china blue" ein Bild dazu machen (http://kino-zeit.de/filme/china-blue). 

(3) Textilveredelung
Zuletzt werden die fertig konfektionierten Kleidungsstücke dem sogenannten Ausrüstungsverfahren unterzogen. Dabei werden die Textilien in Flüssigkeiten gebadet, denen Stoffe beigefügt sind, die ihnen verschiedene Materialeigenschaften verleihen. Es gibt über 1000 derartige chemische Zusätze, die zum Beispiel für Resistenz gegen Schimmel, Motten und UV-Licht sorgen oder die Entflammbarkeit des Stoffes herabsetzen sollen. Bis zu 20 % solcher Zusatzstoffe können im Endprodukt enthalten sein, ohne deklariert werden zu müssen. Neben den damit verbundenen Umweltbelastungen kommen spätestens hier nun die Gesundheitsgefahren direkt beim Endverbraucher an und längst weiß jeder, dass neue Textilien nicht ungewaschen getragen werden sollen, doch nur die wenigsten wissen warum. 

(4) Auswege
Bei der Produktion von Naturtextilien wird auf den Einsatz von giftigen Bleich- und Färbemitteln sowie auf chemische Ausrüstung verzichtet. Es werden mechanisch-physikalische Veredelungsverfahren angewandt oder zum Beispiel teurere, dafür jedoch ungiftige Farben und Bleichmittel eingesetzt. Im gesamten Produktionsverlauf werden soziale Standards und Arbeitsschutzbedingungen eingehalten, Kinderarbeit und Zwangsarbeit verboten und faire Löhne gezahlt. 

Eigenschaften von Baumwolle

Baumwolle ist als Material für Kleidungsstücke sehr geeignet. Man kann sie weben oder wirken und so zu vielfältigen Qualitäten, wie zum Beispiel Frottee, Jersey, Nicky oder Fleece verarbeiten. Ihre Fasern sind weich und hautfreundlich. Sie kann bis zu 20% ihres Eigengewichts Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Baumwolle ist atmungsaktiv, hat jedoch keine wärmeisolierenden Eigenschaften. Sie ist pflegeleicht und auch bei hohen Temperaturen waschbar, da ihre Fasern im nassen Zustand noch reißfester sind als im trockenen. Baumwolle verfilzt nicht und lädt sich nicht elektrostatisch auf.

Biobaumwolle merkt man die Fasergesundheit gegenüber konventioneller Baumwolle deutlich an. Die hervorragenden natürlichen Eigenschaften der Baumwolle werden nicht durch unzählige chemische Behandlungen zerstört. Die Stoffe fühlen sich weich und geschmeidig an. Sie sind strapazierfähiger, viel länger tragbar und halten auch nach mehreren Wäschen noch ihre Form. Kleidung, welche aus Baumwolle gefertigt ist, die kontrolliert biologisch angebaut wurde, muss vor dem Tragen nicht gewaschen werden und im Gegensatz zu konventionellen Textilien riecht sie auch ganz neu sehr gut :-)